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Auf Wiedersehen, Herr Konsul!
20.08.2013
Das Video zum Thema:  Auf Wiedersehen, Herr Konsul!

Man lebt, indem man das Leben genießt. Warum sollte man je damit aufhören? Der Drang, neue Dinge zu erleben, ist nicht altersabhängig. Oft will man sogar mit 70, 80 Jahren noch so einiges nachholen, was man früher durch Arbeitsstress, Hektik, etc. verabsäumt hat. Denken Sie nur einmal an den Film „Das Beste kommt zum Schluss (The Bucket List)“ von Rob Reiner. Mit 70, 80 überdenkt man vielleicht sein gesamtes Leben oder überlegt sich, ob es etwas gibt, das man schon immer machen wollte, man aber nie den Mut hatte, zu tun. Die einen sind enttäuscht von sich selbst, die anderen nutzen die Chance und gönnen sich etwas.

Herr Konsul Ing. Wladimir Slechta ist mit 90 wiederauferstanden. Nachdem er in einem Altersheim wie ein behinderter, unfähiger alter Knacker behandelt wurde, zog er den Jackpot. Sein weiteres Leben gestaltete er sich nach seinen eigenen Vorlieben, indem er sich endlich einmal traute, das zu tun, worauf er sein Leben lang verzichtete.
 

26.06.2010: Konsul Ing. Wladimir Slechta mit sieben Monate alten Alma


26.06.2010: Konsul Ing. Wladimir Slechta mit sieben Monate alten Alma am Schoß und einer Assistentin

Wer ihn persönlich kennenlernen durfte, konnte sich davon überzeugen, dass der Stereotyp, der besagt, dass Menschen im Alter nichts als ein gemütliches Sofa und einen Fernseher brauchen, absolut nicht zutreffen muss. Mit 90 Jahren beschäftigte er seinen Anwalt, seine Ärztin, die Assistentinnen, den Chauffeur, die Steuerberaterin usw. rund um die Uhr mit Erledigungen. Wer nicht schnell genug oder schlampig an die Aufgaben heranging, fiel in seine Ungnade. Er wusste seine Zeit zu schätzen. Er konnte nichts weniger leiden, als wenn seine Zeit verschissen wurde. Verspätete sich seine Ärztin auch nur um fünf Minuten, ließ er ihr ausrichten, dass er jetzt schon zum Essen verabredet sei. Unabhängig davon, ob sich der Termin verschieben ließ oder nicht. Unehrlichkeit ertappte er mit geschlossenen Augen. Durch seine Reise nach Lateinamerika in jungen Jahren war er an Kinderlähmung erkrankt und hatte dadurch eine Muskelschwäche. Daher war er  relativ unsicher beim Gehen und benutzte einen Gehstock, später konnte er diesen ablegen und wurde stattdessen von zwei Assistentinnen begleitet. Diese Muskelschwäche nutzte er allerdings dafür, eine eventuelle Unsicherheit seines Gegenübers auszumachen.
 

03.07.2010: Konsul DI Wladimir Slechta mit seinen Assistentinnen nach einem Abendessen beim VOTIV, Wien


03.07.2010: Konsul Ing. Wladimir Slechta mit seinen Assistentinnen im Cafe Korb beim Studieren der Oberweiten, publiziert in "ÖSTERREICH"

 
Mit Herrn Konsul Ing Wladimir Slechta konnte man gut streiten, gewinnen konnte man allerdings so gut wie nie. Er ließ sich auch nichts vorschreiben. Und wenn etwas Neues an der Tagesordnung stand, so wollte er nichts dem Zufall überlassen. Beispielsweise besuchte er immer nur ihm bekannte Gasthäuser. Selten wollte er sich überraschen lassen, denn er erwies ein Gespür für das Gute und wollte keine bösen Überraschungen erleben.
 









11.07.2010: Konsul Ing. Wladimir Slechta mit seinen Assistentinnen beim Einkaufen am Graben
 
Gerne gab er sein Wissen weiter und erzählte von den Abenteuern, die er in seinem Leben erlebte und über Erfahrungen, die er gemacht hatte.

Mit 90 bekannte er sich dazu, kein perfekter Vater für seine Tochter Eva gewesen zu sein. Daher suchte er mit dem oft  vorkommenden Terror, der sich dadurch äußerte, dass er sie angerufen hat, um ihr mitzuteilen, er am Sterben sei, ihre Liebe und Zuwendung verlangete. Sein Traum war, dass die Familie endlich wieder zusammen kommt. Für diesen hätte er alles gemacht. Hätte seine Tochter zu ihm gesagt, sie kommt ihn besuchen oder sie zieht zu ihm, hätte er alles aufgegeben, wäre zu ihr nach Mühlbach gezogen, auch wenn sein Traum immer gewesen ist, im Zentrum von Wien zu leben.
 

17.07.2010: Konsul Ing. Wladimir Slechta in seiner Wohnung in Begleitung zweier Assistentinnen

Einen richtigen Familienverband, zu dem er hielt und der zu ihm hielt, hatte der Konsul nie. Der Einzige, zu dem er Kontakt pflegte, war sein Enkel Claus.

Aus "Liebe“ zum Vater rief seine Tochter Eva die Polizei - in der Meinung, ihn von seinem Lebensstil befreien zu müssen. Denn, dass ein 90-Jähriger sein Leben genießt, wäre das Unnatürlichste überhaupt… "Gut gemeint" von ihr war es auch, eine einstweilige Sachwalterschaft für den Vater anzuregen. Der Grund: Im Alter sollte man sich damit abfinden, dass man eh bald stirbt und es müsse dafür gesorgt werden, dass das Erbe für die Verwandschaft bewahrt wird.
 

02.08.2010: Konusul Ing. Wladimir Slechta mit seinen Assistentinnen macht sich auf den Weg zum Frühstück in die Wiener Innenstadt

Auch ein wahrer Geschäftsmann hat Gefühle. Was der Konsul mit seiner Tochter nie erlebt hatte, projizierte er auf Jordan, den Sohn einer seiner Assistentinnen. Er zeigte Interesse an jedem Schritt, an jeder noch so geringen Weiterentwicklung, die der Kleine machte.
 

20.08.2010: Konsul Ing. Wladimir Slechta mit seinen Assistentinnen beim Besuch des Stephansdoms

Auch wenn sein ganzes Leben von Stress, Hektik, Streitereien mit seiner Frau, seiner ewigen Abwesenheit durch berufliche Verpflichtungen und davon, dass dadurch zu wenig Zeit für sein einziges Kind, Eva, war, geprägt war, konnte er die Emotionen, die er damals nicht geben und erhalten konnte, doch noch erleben und somit durchaus sein Leben genießen. Er  hatte endlich, gelernt, ehrlich, offen, direkt zu sein und seine Gefühle zu zeigen. Seinen größten Traum konnte er jedoch nicht mehr leben. 


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Auf Wiedersehen, Herr Konsul!

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